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Ablehnung und Kritik                       >> URTEILE-BEWERTUNGEN   >> VERGLEICH WIRTSCHAFTL. SITUATION DEUT. - EUROPA

Das Angebot des Marshall-Plans richtete sich nicht nur an die westeuropäischen Länder, sondern auch an die UdSSR und die in ihrem Einflußbereich liegenden Länder Osteuropas, wenngleich man von Seiten der USA von vornherein mit einer Absage Moskaus rechnete. Nachdem die UdSSR das amerikanische Angebot abgelehnt hatte, mußten auf Druck Moskaus auch diejenigen osteuropäischen Länder, die bereits Interesse am Marshall-Plan bekundet hatten, ablehnen.

Von kommunistischer Seite wurde der Marshall-Plan als "imperialistischer Angriff" interpretiert. So sagte z.B. Walter Ulbricht, der stellvertretende Vorsitzende der SED, am 18.3.1948 auf dem Zweiten Deutschen Volkskongreß in Ostberlin:
Was bedeutet der Marshall-Plan?
Es wird behauptet, der Marshall-Plan bringe Hilfe für die deutsche Wirtschaft. Wie kann man jedoch von Hilfe sprechen, wenn
die USA-Regierung erzwingt, daß 80 Prozent der Ausfuhr der Bizone in Rohstoffen, das heißt in Steinkohle und Holz geleistet werden. Die Harriman, Ford und Dulles wollen durch diese Kohlenausfuhr die Entwicklung unserer Stahlindustrie und die Produk-tion von Qualitätswaren hindern. Jeder Fabrikant würde es ablehnen, seine Rohstoffe zu verkaufen, um dann Fertigwaren zu hohen Preisen einführen zu müssen, nur weil es sein Konkurrent in New York so wünscht. Gilt dieser Vergleich nicht auch für
die deutsche Wirtschaft? Weil die deutschen Wirtschaftler nicht auf die faulen Geschäfte eingehen wollen, fühlen sich die
Herren der USA plötzlich bedroht. (...)

Bei dem Propagandarummel des Marshall-Planes handelt es sich also nicht um eine Hilfe für Westdeutschland, sondern
III um den Absatz amerikanischer Waren zu hohen Dollarpreisen,
III um die Ausnutzung der Steinkohle des Ruhrgebietes für die Beherrschung Westeuropas,
III um die Ausschaltung der deutschen Konkurrenz und vor allem die Verhinderung der Entwicklung der deutschen     Qualitätsindustrie,
III um die zunehmende Verschuldung Westdeutschlands und seine Verwandlung in eine Halbkolonie der USA,
III um den Ausbau Westdeutschlands zur Basis für den Kampf gegen die demokratischen Kräfte. (...)

Urteile - Bewertungen George Marshall und der Marshallplan:                                                                      >> NACH OBEN

    TIME Magazine, January 3, 1944
III The American people do not, as a general rule, like or trust the military. But they like and trust George Marshall. This is no
    more paradoxical than the fact that general Marshall hates war. The secret is that American democracy is the stuff
    Marshall is made of.
III Hired by the U.S. people to do a job, he will be as good, as ruthless, as tough, as this job requires. There his ambitions stop.     "He has only one interest," said one of his intimates, "to win this damned war as quick as he can, with the fewest lives lost     and money expended, and get the hell down to Leesburg, Va., and enjoy life." He shuns all avoidable publicity, he is a man
    of great personal reserve, but the U.S. people have learned why they trust General Marshall more than they have trusted
    any military man since George Washington: he is a civis Americanus.
III Der frühere Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Heinrich Lübke (CDU, 1959 -1969), erklärte, George
    Marshall werde im deutschen Volk, dem er in Zeiten großer materieller Not neue Hoffnung geschenkt habe, unvergessen
    bleiben.

    DER SPIEGEL, Sonnabend, 22. November 1947
III George Catlett Marshalls Name gibt für Europa ein dankbares Wortspiel ab. Es ist sogar schon behauptet worden, Marshall
    habe die Ernennung zum Marschall nur deshalb abgelehnt, weil Marschall Marshall nicht gut klingen würde. In Wirklichkeit hat
    der jetzige Außenminister der USA den höchsten militärischen Rang erreicht, den die Staaten zu vergeben haben:
    Zusammen mit Mac Arthur und Dwight D. Eisenhower ist er Fünf-Sterne-General.
III Es liegt dem aufrechten und ehrlichen 67jährigen, der jetzt als General des Friedens die Welt vor der Verelendung retten
    will, nicht, sich mit Titeln zu schmücken. Auch als Außenminister wartet er nicht mit großen Amtsbezeichnungen auf. In den
III USA wird dieser Posten einfach als Staatssekretär geführt. Dabei ist George C. Marshall nach Präsident Truman der
    höchste Mann im Lande. Er hört sich trotzdem am liebsten Mr. Marshall nennen.

    Emmanuel Todd, Weltmacht USA - Ein Nachruf, Piper, München Zürich, 4. Auflage 2003, S. 93f.
III Nach dem Zweiten Weltkrieg, als Europa und Japan in Trümmern lagen und der Ostblock sich als neuer Machtfaktor etablier-
    te, organisierten die Vereinigten Staaten ihre Einflußsphäre als globales System, in dem sie das Zentrum bildeten. Schritt für     Schritt setzten sie in dem System für Handel und Finanzen Spielregeln durch, die ihren ideologischen Präferenzen entspra-
    chen mit dem einzigen Ziel, den geographischen Raum zusammenzuschweißen, den sie militärisch und politisch kontrollierten.
    Es steht außer Zweifel, daß die Vereinigten Staaten zu Anfang vollkommen zu Recht behaupteten, sie sorgten für Wohlstand
    auf dem größten Teil des Planeten. Es wäre absurd, die Entstehung dieser Weltordnung als zerstörerischen Vorgang zu     betrachten: Die Wachstumsraten der Jahre 1950-1975 belegen das Gegenteil. Der Marshallplan versorgte Europa mit den     notwendigen Mitteln für den Wiederaufbau und bewahrte die Vereinigten Staaten vor einer neuerlichen Wirtschaftskrise wie     1929. Er war ein Akt politischer und wirtschaftlicher Intelligenz, wie es nur wenige andere in der Geschichte gibt. Wir können     diese Zeit darum als positiven Imperialismus bezeichnen.

    Georg Schild, Deutsch-amerikanische Beziehungen, Informationen zur politischen Bildung aktuell, 2003, S. 5
III Ab April 1948 unterstützten die USA den wirtschaftlichen Wiederaufbau West-Deutschlands im Rahmen des European     Recovery Programs (ERP), des so genannten Marshall-Plans, mit über 1,5 Milliarden US-Dollar. Wichtiger noch als die Höhe
    der finanziellen Leistungen war die Erkenntnis in den westlich besetzten Zonen, dass statt demontiert wieder aufgebaut
    wurde und dass Deutschland nicht länger international völlig isoliert dastand. Im Gegenteil: Die westliche Führungsmacht
    Amerika reichte dem ehemaligen Kriegsgegner ihre helfende Hand.
                                                                                                                                                                               
Die wirtschaftliche Situation Deutschlands und Europas nach den beiden Weltkriegen                           >> NACH OBEN
Europa hat im letzten Jahrhundert zwei Weltkriege erlebt. Nach beiden Kriegen war die wirtschaftliche Situation katastrophal. Nach dem Zweiten Weltkrieg half 1947 der Marshallplan 16 westeuropäischen Ländern, unter anderem den drei deutschen Westzonen, der späteren Bundesrepublik Deutschland, die Wirtschaft wieder aufzubauen, die Handelsbeziehungen allmählich wiederherzustellen und das Vertrauen und die Zusammenarbeit zu fördern.

Im Gegensatz dazu wurde Europa nach dem Ersten Weltkrieg mit seinen Kriegsfolgen sich selbst überlassen. Die Folgen waren sowohl wirtschaftliche als auch soziale Mißstände. Besonders für Deutschland und seine Verbündeten hatte der Krieg schwerwiegende Folgen.

Nach Beendigung des Krieges 1918 existierten zahlreiche mit dem Krieg zusammenhängende wirtschaftliche und soziale Pro-bleme. Aufgrund der Finanzierung des Krieges durch Kriegsanleihen betrugen die Schulden des Deutschen Reiches nach innen 156 Mrd. Mark. Diese Schulden führten zu einer allgemeinen Knappheit der staatlichen Mittel, zum Währungszerfall und zum Mangel an staatlichen Aufträgen. Hinzu kamen die Bestimmungen des Versailler Vertrages, der Deutschland die alleinige Kriegs-schuld zuwies. Deshalb mußte es für die Reparationszahlungen aufkommen. Doch woher sollte Deutschland das Geld nehmen?

Die wirtschaftliche Situation, so wie sie vor dem Krieg 1914 war, konnte nicht so schnell wiederhergestellt werden. Die Um-stellung der Industrie von der Produktion von Kriegsgütern auf zivile Bedürfnisse konnte wegen der fehlenden Gelder nicht sofort erfolgen. Außerdem führten die territorialen Bestimmungen des Versailler Vertrages dazu, daß Deutschland Gebiete abtreten mußte. Das bedeutete, daß Wirtschaftsstrukturen und wirtschaftliche Beziehungen unterbrochen wurden. Deutschland hatte einige wichtige Rohstoff- und Produktionsgebiete verloren. Das Ziel Deutschlands war es jetzt, seine Wirtschaft trotzdem so schnell wie möglich wiederherzustellen, um die 10 Millionen entlassenen deutschen Soldaten und die eine Million Kriegsge-fangenen, die nach Hause zurückkehrten und auf den Arbeitsmarkt drängten, zu beschäftigen und den Reparationsforderungen nachzukommen.

1919 versuchte man die Arbeitslosigkeit abzubauen, indem man 450.000 Arbeitskräfte für den Wiederaufbau nach Belgien und Nordfrankreich schickte. Dieser Plan stieß jedoch bei den belgischen und französischen Arbeitnehmerorganisationen auf Widerstand. Die damit immer höher steigende Arbeitslosenzahl und der Rückgang der Nahrungsmittelproduktion führten verstärkt zu Hungersnöten und Unterernährung der Bevölkerung. In dieser Notlage kam es zu einer Vereinbarung Deutschlands mit den Alliierten. Es wurden 270.000 Tonnen Nahrungsmittel eingeführt, diesen sollten monatlich 70.000 Tonnen folgen. Die Lieferungen wurden mit Devisen oder Gold bezahlt. Die Folge waren weitere Schulden. Eine stabile Wirtschaft war die Voraussetzung für
die Rückzahlung der Schulden und die Senkung der Arbeitslosigkeit. Ein weiterer Versuch zur Lösung des Problems sollte die Kurzarbeit sein. Mit ihrer Einführung sank die Arbeitslosenzahl von 1919 bis 1923. Als aber 1923 die Kurzarbeit aufgehoben wurde, erreichte die Arbeitslosigkeit schließlich ihren Höhepunkt. Die zerrütteten Währungsverhältnisse und die Besetzung des Ruhrgebietes, die wegen der Zahlungsrückstände Deutschlands an Frankreich erfolgte, führten zu einer allgemeinen wirtschaft-lichen Lähmung und zu fortgesetzter staatlicher Verschuldung. Die sich entwickelnde Inflation wurde teilweise bewußt weiter betrieben, um die sozialen Kosten und die Reparationsforderungen zu begleichen. Außerdem konnte die Reichsregierung durch die Inflation bequem die Kriegsschulden im Inneren begleichen.

Erst 1924, als mit der erfolgten Einführung der Rentenmark die deutsche Währung stabilisiert und die Reparationsfrage für Deutschland erträglich geregelt war, versorgten die USA die deutsche Wirtschaft mit genügend ausländischem Kapital (Dawes-Plan). Einen Gesamtplan, die wirtschaftlichen Probleme Deutschlands und die seiner früheren Gegner im europäischen Rahmen
zu lösen, gab es 1919 und in den folgenden Jahren nicht. Die Länder waren sich selbst überlassen.

Also erst fünf Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges erfolgte eine wirtschaftliche Hilfe für Deutschland bzw. Europa, die aber bei weitem nicht so effektiv wie der Marshallplan war. Der Marshallplan hat nach dem Zweiten Weltkrieg sein Ziel erreicht,
in Europa eine leistungsfähige Wirtschaft wiederherzustellen.

Schon 1920 wies der englische Nationalökonom John Maynard Keynes, der als Berater an den Friedensverhandlungen in Versailles teilnahm, weitsichtig auf die Versäumnisse des Versailler Vertrages in Bezug auf eine vernünftige Regelung der wirtschaftlichen Folgen des Ersten Weltkrieges hin. In der Schrift "Die wirtschaftlichen Folgen des Friedensvertrages" legte er seinen Standpunkt dar. Er trat u.a. für niedrigere Reparationen Deutschlands ein.

In seiner Schrift bemängelte Keynes, daß "der Friedensvertrag (...) keine Bestimmungen zur wirtschaftlichen Wiederherstellung Europas" enthalte, "nichts, um die geschlagenen Mittelmächte (d.h. Deutschland und seine Verbündeten) wieder zu guten Nachbarn zumachen, nichts, um die neuen Staaten Europas zu festigen, nichts, um Rußland zu retten. Auch fördert er in keiner Weise die wirtschaftliche Interessengemeinschaft unter den Verbündeten."

Außerdem war die "Wiedergutmachung (...) ihr (d.h. der Sieger) Hauptinteresse auf wirtschaftlichem Gebiet" und nicht das "vor ihren Augen verhungernde und verfallende Europa."

(Leistungskurs Politische Weltkunde, Rückert-Gymnasium, 1997)

Yankee, go home!
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