Protestantisch-loyalistische murals (5. - 11.)

In den farbenfrohen Darstellungen vieler protestantischer Wandgemälde in Nordirland reitet William III. noch immer heroisch auf seinem sich
aufbäumenden Schimmel in die Schlacht am Boyne. Einige dieser Wandgemälde haben eine fast 50jährige Geschichte; sie wurden immer wieder
restauriert, ergänzt, verändert und übermalt. Die protestantischen Wandgemälde waren ursprünglich Teil der Straßendekorationen für die Paraden
und Aufmärsche der Orangisten, die alljährlich am 12. Juli in vielen Städten zur Erinnerung an den protestantischen Sieg Williams III. (von Oranien)
über das katholische Heer von James II. im Jahre 1690 stattfinden. Die Paraden der Oranier sind immer wieder An- laß für antikatholische
Provokationen. Die protestantischen murals sind nicht so zahlreich; man findet sie vor allem in (London) Derry und im Stadtteil Shankill in Belfast.
Auch hier ist die Funktion die gleiche wie bei den murals der anderen Seite: Symbole wie Union Jack und Slogans wie "No surrender" sind klare
Hinweise darauf, daß man sich in einem protestantischen "Stammesgebiet" befindet. Die protestantischen murals sind in der Regel handwerklich
viel einfacher ausgeführt, künstlerisch nicht so expressiv und thematisch nicht so breit gefächert wie die auf katholischer Seite. Als häufiges,
immer wiederkehrendes historisches Motiv wird der Sieg von King William über die Katholiken in der Battle of the Boyne am 1. Juli 1690 in heroisch
verklärter Form dargestellt. Ferner findet man loyalistische Parolen ("No surrender", "God save our Queen") und Symbole (z.B. die "Red Hand of
Ulster") sowie Darstellungen der verschiedenen protestantischen paramilitärischen Organi- sationen.
                               
  Die katholisch-republikanischen murals (1. - 4.)
Die katholisch-republikanischen murals sind sichtbare Gegenöffentlichkeit, Ausdruck
politischer Forderungen und Positionen, die in den nordirischen Massenmedien ver-
schwiegen oder unterdrückt werden. In dieser Situation des Meinungsmonopols stellen
die murals ein eigenständiges und unzensiertes Medium dar. Es ist schwer zu sagen,
inwieweit die naturgemäß einseitigen und zum Teil radikal vereinfachten politischen
Aussagen der murals auf die ungeteilte Zustimmung der Gettobewohner stoßen, sorg-
fältige Pflege und Signierung lassen jedoch auf einen allgemeinen Konsens schließen.
Pflege und Signierung lassen jedoch auf einen allgemeinen Konsens schließen.
                                   
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  Lesen Sie über die Ursachen des Konflikts in Nordirland:
Weitere Informationen über Wandgemälde in Nordirland gibt es auf dem Server:
CAIN Web Service (Conflict Archive on the INternet)
The Northern Ireland Conflict (1968 to the Present)
Sie finden dort Photos und erläuternde Texte in englischer Sprache:
www.cain.ulst.ac.uk/bibdbs/murals/murals.htm
www.cain.ulst.ac.uk/bibdbs/murals/woods.htm
Viele Photos von murals finden Sie auch auf:
www.peacelines.de
 

1. "Remember 1916 - 1982" (Belfast)

Zahlreiche Wandgemälde stellen Bezüge
zu Ereignissen des republikanischen
Kampfes um die Unabhängigkeit Irlands
her. Hier wird an den Osteraufstand der
IRA 1916 in Dublin erinnert, der von den
Briten blutig niedergeschlagen wurde.
Die Anführer, unter ihnen der Arbei-
terführer James Conolly sowie der
Dichter Patrick Pearse wurden hinge-
richtet und über 2000 Iren in britischen
Gefängnissen interniert.

3. Die katholischen murals

sind thematisch sehr vielfältig
und künstlerisch sehr phantasie-
voll gestaltet. Die starken sozialen
und politischen Spannungen
bringen offensichtlich eine große
Anzahl von murals in vielfältigen
Ausdrucksformen hervor.
Kleineres Wandbild im katho-
lischen Wohnviertel "Bogside" in
(London) Derry. 1984 wurde der
22 jährige Sean Downes im
Verlauf der traditionellen
"Internment Rally", der republi-
kanischen Demonstration anläß-
lich des Jahrestages der
Einführung der Internierung 1971,
von einem aus kürzester Entfer-
nung von der RUC abgefeuerten
Plastikgeschoßtödlich getroffen.

8. "Nothing has
changed",
1997 Wandgemälde
in der von Katholiken
bewohnten Bogside
von Derry.
 
         
10. "Civil Rights", Derry 1997
7. "King Billy"
auf einem Wandgemälde in Derry Mehr als 300 Jahre
nach dem Sieg der Protestanten zieht auf zahlreichen
protestantischen Wandgemälden King William III. noch
immer gegen die Katholiken zu Felde.
 
6. "No surrender" (Belfast)
Loyalistisches Wandgemälde im Stadtteil Shankill
(Westbelfast), einer Hochburg der Protestanten.
"No Surrender" ("Niemals kapitulieren") war 1689
der Schlachtruf der(protestantischen) Verteidiger
Londonderrys, als James II. mit seinem katholischen
Heer die Stadt zur Übergabe aufforderte. Die UVF
übernahm den Namen einer protestantischen
Organisation, die zwischen 1913 und 1920 gegen
ein unabhängiges Irland kämpfte.
 
11. "Solidarity between
Women in Armed Struggle" (Belfast)

Wandgemälde aus Anlaß des
internationalen Frauentages.
   
   
2. "For a new Ireland"
- Vote Sinn Fein - (Belfast)

Eines der bekanntesten und oft fotogra-
fierten Wandgemälde in der Falls Road in
West-Belfast, entstanden 1983 aus
Anlaß der Wahlen. Es ist eine Art
permanentes Wahlplakat für Sinn Fein,
die als legale politische Partei in Nord-
Irland und der Republik agiert und sich
als politischer Flügel der IRA (Provos)
versteht. Durch das Aufgreifen sozialer
Forderungen und konsequente Stadtteil-
arbeit konnte die Partei in den letzten
Jahren einige beachtliche Wahlerfolge
erzielen. Die kämpferische Frauenge-
stalt - eine Kathleen ni Houlihan - entrollt
die (republikanische) Trikolore und zeigt
den Wählern den Weg zu einem neuen,
vereinten Irland. Die Demonstranten tra-
gen Schilder mit politischen ("Brits out")
und sozialen Forderungen
("Jobs","Houses")
9. "Get the Brits out" (Derry) "Verbissen"
verteidigt Margaret Thatcher, die frühere Premierministerin,
den britischen Anspruch auf Nordirland.
       
                                                         
                   
 
4. "Mise Eire" (I am Ireland) (Derry 1990)
In diesem Wandgemälde hinter den Rossville
Flats in (London) Derry wird unter Verwendung
eines Gedichts von P.H.Pearse auf die
gälischirische Mythologie und Sprache
Bezug genommen. Das Gedicht ist in der
alten irischen Sprache vor der Orthographie-
reform verfaßt und lautet :
I am Ireland, I am older than the Old Woman
of Bearra, Great is my glory, I who gave
birth to Chucholain the brave, Great is
my shame, My own family Have sold
their mother. I am Ireland, I am lonelier
than the Old Woman of Bearra.
Die Figur auf der rechten Seite stellt eine
bewaffnete keltische Göttin dar, die mit
ihrem Speer in den Sonnenaufgang, dem
Symbol der Fianna, der republikanischen
Jugendorganisation, zeigt. Der Sonnenaufgang
symbolisiert auch traditionell dieirischen
Hoffnungen auf eine nationale Wiedergeburt.
5. Wandgemälde mit UDA-Symbolik (Derry)
Das Wandgemälde befindet sich in der protestantischen "Waterside" in (London) Derry.
Die Ulster Defence Association ist auf protestantischer Seite die größte und einzig legale
paramilitärische Organisation (ca. 12-15000 Mitglieder). Sie wurde 1971 neben der schon
bestehenden illegalen Ulster Volunteer Force (UVF) gegründet. Von den verdeckten
Untergliederungen der UDA werden oft terroristische Aktionen gegen IRA-Mitglieder
und die katholische Bevölkerung unternommen.